Im Paradies Akihabara [Upd.]

Manga und Anime sind, so könnte man nach einem Besuch in Akihabara (und auch Ikebukuro) meinen, der Japaner einzigste Lieblingsbeschäftigung. Ich bin also am Dienstag dort von 13 Uhr bis 23 Uhr gewesen und auch am Donnerstag noch einmal und wie es aussieht aufgrund eines Versprechens auch am Freitag noch einmal. Also – Es folgt Tripple-Blogging der letzten Tage in Tokio, denn am Freitag ist am Abend Abschiedsfeier für alle Teilnehmer der Youth Week und am Samstag ziehe ich hier aus. Anschließend geht’s zur Gastfamilie (JA! Ich habe endlich eine!) nach Utsonomiya zwei Stunden von Tokio entfernt. Mit dem Shinkansen ist es nur eine Stunde, aber dann kostet es 50 statt 20 Euro, heisst es.

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So, was gibt es über Akiba zu sagen? Mit offenem Mund kann man dort die Hauptstraße und die Seitengassen entlanglaufen. Dicht an dicht drängen sich mehrere Stockwerke hoch die Doujin-, Manga-, Anime-, DVD- und Elektronikshops. An jeder Straßenecke stehen zuckersüße Meidos und werben für eines der zahlreichen Meidocafés. Überall flimmert es von den Monitoren und man sieht sofort, dass zur Zeit die große K-on, Toradora, Spice and Wolf 2.0 und Haruhi 2.0 Marketingmaschine auf Hochtouren läuft. Die UFO-Catcher locken mit noch nicht käuflich verfügbaren Figuren, an jeder Ecke klimpert einem die Titelmelodie der Animes entgegen. Ohrenbetäubende Pachinko- und Spielhallen stehen dem Besucher ebenfalls offen.

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Die schmalen, ein dutzend Stockwerke hohen Shops sind an der Außenfassade mit zahlreichen Plakaten beklebt und auch die Keller sind – extrem gut herunterklimatisiert – nicht zu verachten. Dort findet man nicht nur kleine Doujin-Geheimtipps sondern so man möchte auch die Ü18-Abteilungen aus dem Anime- und Realfilmbereich. Die Erotikabteilungen westlicher DVD-Verleihe ist gegen die sich mehrere Stockwerke hinziehenden Filmsammlungen übrigens ein Witz. Auch die DVD-Cover sind hier weitaus ästhetischer und wirklich ein Blickfang für den geneigten Besucher, im Gegensatz zu den Übelkeit erregenden DVDs in deutschen Shops.

Ich war allerdings nicht (so sehr) geneigt und wollte auch lieber ein bisschen im Anime-Merchandising stöbern. Allerdings muss man da wirklich Zeit mitbringen, die ich mir dann auch vom DJJG-Programm abgezwackt habe. Dafür auch an dieser Stelle noch eine Entschuldigung an die Organisatoren sowie die lieben Mitreisenden. Ich habe diverse (optionale) Veranstaltungen sausen lassen, um noch einmal nach Akihabara und andere Bereiche Tokios zu kommen. Die Ergebnisse der Beutezüge seht ihr auf den Fotos.

Selbstverständlich durfte auch ein Besuch in einem Meidocafé nicht fehlen. Die Komilitonen aus dem Animereferat der Hochschule Furtwangen wären kerzengrade und raketengleich durch die Decke gegangen, hätten Sie diesen Anblick genießen dürfen. Eigentlich wollte ich mit der Kollegin rein, aber da ich sie auf dem Handy nicht erreichte, blieb mir nur die Wahl zwischen Alleine rein oder Alleine nicht rein. Also reservierte ich mir einen Sitzplatz für ein Stündchen, bei der jungen verkleideten Japanerin die sofort auf mich zustürmte, als ich aus dem Fahrstuhl stieg und den zartrosa Raum betrat.

Dann durfte ich erst einmal das skurrile Schauspiel genießen, denn anders kann man es kaum nennen. Mehrere blutjunge Meidos in zuckersüßen Kostümen wuselten zwischen den Besuchern allen Alters und Nationalität hin und her. Hier spielte eine Meido grade Karten mit dem Japaner und ließ immer ein entzücktes Quietschen los, wenn Sie wieder gewonnen hatte. Dort servierte grade die Meido mit den hohen schwarzen Strümpfen und dem Totenkopf im Haar das Omelett, um es daraufhin mit Ketchup zu bemalen. Einmal die süße Katze aus Ketchup und Majo, bitte. Dann darf noch der Zauberspruch nicht fehlen, der dem Ganzen den guten Geschmack verleiht. Zusammen mit dem Gast wir lauthals ein „moe moe!“ gestikuliert, um den Reis noch ein wenig schmackhafter zu machen.

Am amüsantesten waren immer die Gesichter der neuen Gäste, die der Fahrstuhl gelegentlich in den Raum spuckte, während die Glöckchen am Windspiel aufgeregt klingelten. Mit offenem Mund und ungläubig staunendem Blick überlegten die Gäste, wie sie nun in Gegenwart der anderen Gäste auf diesen Ansturm an Süßwaren auf Beinen reagieren sollen. Wie überall in Japan sind aber auch hier die Regeln klar. Fotografieren und Anfassen verboten.

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Die deutsche Anime- und Mangaszene ist verglichen mit dem Angebot in Akiba so unscheinbar und klein, dass man sie problemlos komplett hinter dem nächsten Ayanami Rei Pappaufsteller verstecken könnte. Nein, die sind leider nicht verkäuflich. Ich gebe zu, man muss sich zumindest ein wenig dafür interessieren, sonst könnte man schon auf den Gedanken kommen, das Lächerlich zu finden. Allerdings gibt es in Tokio so viele Verrückte, Interessante und Schräge Sachen… die man eigentlich glatt übernehmen sollte.

So frage ich mich jedes Mal, wenn ich vor einem der zahlreichen Automaten stehe und mich entscheiden muss zwischen heißem Kaffee, Eiskaffee, grünem Tee, Weizentee, Grillhähnchen mit Pommes und Teelimonade, warum gibt es das nicht in Deutschland? Weshalb zeigen die Ampeln in Deutschland nicht an, wie lange es noch dauert, bis es grün wird? Weshalb können wir in Deutschland nicht schon mit einer einzigen Karte berührungslos sowohl den Getränkeautomaten als auch die U-Bahn als auch das Handy bezahlen? Wieso haben wir in Deutschland keine dermaßen schicke, diverse Modeströmungen wie in Tokio? Weshalb schmeckt sogar der McDonalds und die Crepes in Tokio tausendmal besser als in Deutschland? Wieso bedankt sich in Deutschland niemand, wenn man ihm zum Vorbeigehen Platz macht? Warum macht in Deutschland niemand Platz, wenn Jemand vorbeigehen möchte? Wieso kann man in Tokio problemlos im dichtesten Gedränge eine empfindliche Plastiktüte mit Inhalt transportieren? Wieso wird man in Deutschland nicht als Kunde freundlich begrüßt und noch freundlicher verabschiedet, wenn man etwas gekauft hat? Wieso habe ich den Eindruck nach drei Tagen Tokio, dass ich schon einen Monat hier bin?

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Es gab in Tokio Momente, da habe ich staunend, ehrfürchtig und mit einem tiefen Gefühl der Gerührtheit sprachlos Jemand gegenüber gestanden – und das nur aufgrund einer kleinen, eigentlich selbstverständlichen und zuvorkommenden Geste. Allerdings gab es das auch umgekehrt. Ich erinnere mich an die sehr süße junge Japanerin (die meisten Japanerinnen sind sehr süß, und sehr jung) die mir mit offenem Mund und freudigem Ausdruck hinterher geschaut hat, da ich ihr für sie völlig unerwartet Platz gemacht hatte. Aber es macht auch Spaß, wenn man dafür ein Dankeschön erntet. Auch dies ist wieder nur ein kleines Beispiel für eine der vielen beeindruckenden Arten, wie Japaner menschlich miteinander umgehen.

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Ich möchte aber damit nicht sagen, dass wir hier ein Paradies haben. Ich wähle als Beispiel hier nur zwei Dinge. Da sind zum Beispiel die alten, verfallenden Gebäude im Zentrum Tokios. Direkt an die neuen modernen Bauten angrenzend, scheint sich niemand um sie zu kümmern und sie zu sehen. So wie die Obdachlosen Menschen, die ebenfalls übersehen werden. Zum Teil schlafen sie in manchen Stadtteilen mitten auf dem Fußweg. Offiziell existieren sie jedoch gar nicht. Ich wollte auch noch die unbekannteren Viertel Tokios besuchen, die Rotlichtmeile, die Hafenviertel, die Seiten an Tokio, die der Tourist nicht sieht. Leider blieb für alles zu wenig Zeit. Daher werde ich noch bis zum nächsten Japanaufenthalt warten, bevor ich mir mein euphemistisches Bild Japans zerstöre.

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Update ab hier: In Ikebukuro gibt es in der Sunshine City auch eine Anime- und Mangameile, die ist zwar sehr viel kleiner als in Akiba, aber auch sehr viel billiger.

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Youth Summit 2009

Montag war Präsentation und Abschlussfeier im Goethe-Institut. Ich also noch schnell Krawatte und Anzug aus der Hand gelegt und zu Hause gelassen, sich wohl an die Temperatur-Katastrophe vor einigen Tagen erinnernd. Und es war kein Fehler, ich war allerdings etwas stinkig gegenüber den Deutschen, die in kurzer Hose und T-Shirt kamen. Den Japanern sehe ich das nach, die wurden vielleicht auch nicht informiert. Vorher haben wir aber noch kurz im nahe gelegenen Meiji-Schrein Harajuku-Omotesando vorbeigeschaut. Morgenpredigt der Priester in Begleitung unserer in drei Teile aufgesplitteten Reisegruppe. Dieses Spektakel hätte ich mir lieber gespart.

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Naja, dann gab’s halt Präsentationen, die inhaltlich wie zu erwarten war keine Meilensteine setzten. Das war meiner Meinung nach ja auch nicht das Hauptziel des Youth Summit, sondern das, was gestern passiert ist. Die Popkultur/Otaku-Gruppe erzählte von ihrem Besuch in Akihabara, den ich neidisch verfolgte und am Dienstag selbst reproduzierte. Deswegen sitze ich jetzt auch diesen Beitrag schreibend mit einem dutzend Blasen an den Füßen und einer ganzen Tüte Jagderfolg da.

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Nach den Präsentationen stellte uns die Vereinsleitung noch ihre Ideen und Träume für die Zukunft der Veranstaltung vor, die dieses Mal bereits doppelt so groß geworden war wie letztes Mal. Ich bin sicher, sie wird sich zu etwas ganz Besonderem entwickeln, wenn zwei Bedingungen erfüllt werden. Es müssen sich mehr Leute finden, die an diesen Verein bereit sind zu glauben und sich in ihm engagieren. Und die Administration darf den Boden unter den Füßen nicht verlieren. Ich weiß, so etwas aus meinem Munde, grade Ersteres.

Ich habe gesehen, wie viel Arbeit und wie wenig Schlaf und Essen diese Leute investiert haben, um uns diese Woche zu bieten. Das verdient höchsten Respekt, insbesondere auch den drei Japanerinnen Haruka, Aya und Chiemi. Die haben ganze Nächte ohne Schlaf verbracht und dann auch das Frühstück ausgelassen. Dazu wäre nicht mal ich im Stande gewesen. Also großes Danke und Geschenke auf der Bühne. Die Organisationswut der Japaner ist ohnehin bewundernswert.

Kleinste und Banalste Sachverhalte werden aufgeteilt, aufgeschrieben, in der Gruppe besprochen und dann wie am Schnürchen umgesetzt. Dermaßen penibel, dass es mir peinlich war, als ich das zweite Mal nach der Anzahl der Personen in meiner Dokumentationsgruppe gefragt wurde und keine Antwort wusste. Die Gruppe existiert allerdings zur Zeit quasi sowieso nicht, weil wir ja im hier und jetzt Leben und ich sogar für das Blog kaum Zeit aufbringen kann und manchmal sogar will.

Na, dann ging‘s jedenfalls weiter mit einem extrem beeindruckenden und mitreißenden Konzert klassischer japanischer Musik. Ich weiß leider grade nicht, wie das Instrument heißt, aber die Bilder sprechen für sich. Des Weiteren waren die japanischen Trommler hautnah zu erleben, die wohl auch schon auf dem Japantag in Düsseldorf auf der Bühne standen, wenn ich nicht irre. Wahnsinn.

Es zeigte sich dann bei der Abschlussfeier, dass die Japaner nach einem Becher Bier schon kräftig Einen sitzen haben. Während die Deutschen noch todnüchtern herumstanden, flippten die Japaner bereits aus und sorgten für gute Laune. Dank geht auch an die DJJG für das leckere Buffet. Dann verfielen alle in eine Art Fotowahn zum Abschied jener Teilnehmer, die sich am nächsten Tag davon machen würden. Es wurden viele Geschenke ausgetauscht.

Ich verzog mich anschließend gegen neun Uhr noch mit Natasha nach Shibuya, um ein Eis zu essen und mir die Geschichte vom treuen Hund Hatchi erzählen zu lassen. Das scheint wirklich ihr Lieblingsplatz zu sein in Tokio. Die Amerikaner verfilmen die Geschichte übrigens offenbar grade mit Richard Gere. Das kann ja nur Hollywood werden, bäh. Und die Hauptrolle spielt kein Japaner? Naja.

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Auf dem Trockenen

Liebe Leser, aufgrund schwieriger Verhältnisse werden in der nächsten Zeit, nun, da ich ein Internetcafé im Ort meiner Gastfamilie Utsonomiya gefunden habe, die alten Beiträge die schon auf Publizierung warten nachgeholt. Bitte also nicht wundern, wenn ich über Akihabara schreibe, obwohl ich seit dem Wochenende schon in Utsonomiya bin.

Kulturelle Tretminen

Wie ihr vielleicht ahnt, sind die Blogbeiträge immer ein bis zwei Tage verzögert. Das bedeutet, ich war bereits am freien gestrigen Dienstag in Akihabara, während ich eigentlich den Beitrag für das Wochenende schreiben sollte. Aber das mache ich jetzt etwas zusammengefasst. Es folgt also die Zusammenfassung für Sonntag und Montag, 16+17. August. An diesen Tagen fand der Youth Summit seinen Höhepunkt und Abschluss.

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Am Sonntag waren wir viel unterwegs, bevor wir uns an die Diskussion und Vorbereitung der Präsentation für den Höhepunkt des Youth Summit am Montag machten. Die Bilder erzählen auch heute wieder mehr, als ich über die Tempel und Schreinbesuche schreiben könnte. Wie üblich hatten wir wechselweise 30° im Schatten und Ohne bei üblich hoher Luftfeuchte.

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Der Museumsbesuch erzählte uns die Geschichte Japans im Blickwinkel von Krieg und Frieden, Sieg und manchmal auch Niederlage. Die Darstellung einiger Sachverhalte war ein bisschen gewöhnungsbedürftig oder nur sehr indirekt verständlich, vor Allem wenn es um Niederlagen ging oder gar den Ausgang des 2. Weltkrieges. Ganz wichtig war immer, eine Entschuldigung für jede offensive Handlungsweise zu präsentieren. Ich möchte nicht sagen, dass die Darstellungen falsch waren, aber sie waren manchmal dermaßen verzerrt, dass man sich fragt, welche Darstellung die „korrektere“ ist – die westliche oder die Japanische.

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Unser japanischer Gruppenleiter sowie die anderen drei Japanerinnen und Japaner haben die Gruppe super geführt und den Rundweg mit diesem Museumsbesuch beendet. Zwischendurch gab’s leckere Yakusoba-Nudeln mit Zimtgeschmack. Anschließend haben wir uns am Sonntag ab 17 Uhr zusammengesetzt, um die Präsentation vorzubereiten. Ich weiß nicht, ob es nur daran lag, dass unser Gruppenleiter offenbar das Ganze unter „Präsentation“ eingeordnet hat statt „Gruppenarbeit“, aber es war eine ziemlich krasse Erfahrung.

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Denn im Gegensatz zu den Deutschen gibt’s bei den Japanern keine Diskussionskultur. Die Mitglieder der Gruppe sind dazu da, den Präsentationsführer zu unterstützen, nickend dazusitzen und hinter ihm zu stehen. Die Inhalte des Vortrags sind oft bereits vorher festgelegt und auch die Argumentationskette. Somit war unser Gruppenleiter absolut aus dem Konzept gebracht, als die Deutschen angefangen haben, „warum“ zu fragen. Er war des Weiteren äußerst unglücklich über die Antworten auf seine Fragen (was schon ungewöhnlich genug ist, dass er uns in dieser Vorarbeit etwas gefragt hat). Mit den langen, kritischen Antworten hat er ebenfalls nicht gerechnet.

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Hinzu kam die Kommunikationsbarriere, so dass das Chaos perfekt war und er unsere Gruppe kurzerhand zum Abendbrot geschickt hat. Die anderen Japaner in der Gruppe haben sich bis dahin auffällig zurückgehalten, obwohl sie Englisch können. Ich glaube, sie haben es längst kapiert oder kennen die deutsche Diskussion bereits.

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Wir Deutschen haben uns also sofort nach dem Essen zu einer Krisensitzung zusammengesetzt und uns an die japanische Diskussionskultur erinnert. Nach dem Essen hat unser englischbefähigter Japaner aus der Gruppe übernommen. Dies allerdings hat wenig später trotz oder gerade aufgrund erfolgreicherer Leitung zu einem für Japaner ziemlich heftigen Streit geführt. Schließlich bedeutete das für unseren Gruppenleiter einen Gesichtsverlust sondergleichen. Während er also noch hinter mir ausrastete „ore, ore!“ haben wir versucht ihn wieder einzugliedern. Dies gelang dann auch mit viel Augenkontakt und Aufmerksamkeit für ihn sowie einigen hochspannenden sozialen Verhaltensweisen innerhalb der vier Japaner, was beobachten zu dürfen eine große Ehre und eine spannende Geschichte war.

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Die Präsentation wurde dann anschließend wohl typisch japanisch zu Ende gebracht. Die Japaner schrieben alles auf und erstellten die Folien, während wir nickend und zustimmend aber etwas ratlos daneben gesessen haben. Dieser Spaß war dann um halb zwei Uhr morgens vorbei. Es gab andere Gruppen, die schneller fertig waren, ja. Es gab auch andere Gruppen, die bessere Präsentationen hatten, ja. Aber ich vermute, keine hat so viel gelernt dabei wie Unsere. Und böse ist uns unser japanischer Gruppenleiter anschließend auch nicht gewesen, denke ich.

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Tokio Sightseeing

Heute gibt’s wohl mehr Fotos als Text, denn diese sprechen für sich. Das erste Mal fühlte ich mich nicht hektisch herumkommandiert sondern konnte in die Kultur eintauchen und in einer kleinen Gruppe stressfrei Tokio erkunden. Unser Gruppenleiter führte uns nach Asakusa, wo Schreine und Tempel an die Kultur und Tradition Japans erinnern. Auf mich machte das alles einen sehr touristischen und kommerzialisierten Eindruck, und ich bin sicher den älteren Bewohnern Tokios geht es genauso. Shoganai, würden die Japaner sagen. Dem ist nicht zu helfen. Japan öffnet sich der Welt und muss lernen, damit klug umzugehen.

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Unsere Gruppe besteht ja zur Hälfte aus Japanern und Deutschen. Darüber hinaus haben wir ein sehr breites Spektrum an individuellen Eigenheiten der Teilnehmer. Japaner, die kein Englisch verstehen. Deutsche, die sich nicht so gut an die Kultur anpassen können wie andere. Japaner, die sich sehr typisch japanisch verhalten. Deutsche, die nicht merken, wenn sie den japanischen Gruppenleiter überrumpeln. Japaner, die sich überhaupt nicht japanisch benehmen (die Mehrheit, und eine gefährliche Mischung von kulturellen Stolperfallen).

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Die deutschen Teilnehmer, die sich zu benehmen wissen, mögen mir verzeihen, wenn sie das hier lesen. Ich bin zum Teil schockiert bis angewidert, wie sich manche deutsche Teilnehmer verhalten. Da wird dann einfach mal direkt nach einer Bootsfahrt gefragt, und mehrmals nachgehakt bis der Gruppenleiter einlenkt (und sich später nur mit Hilfe der japanischen Kollegin aus der Schlinge retten kann, um den Zeitplan seiner für uns akribisch vorbereiteten Tour einzuhalten). Und weil er dann wegen uns Trödlern einen Programmpunkt nicht erfüllen kann, muss er sich bei uns entschuldigen.

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Nun, zwischendurch waren wir gemeinsam zu Mittag. Echt genial. Auch wenn unser japanischer Gruppenleiter manchmal den Eindruck machte, als habe er zu viele Schlaftabletten genommen, war er sehr gut vorbereitet. Das Essen fand in einem typischen japanischen Restaurant auf Tatami statt, was für eine sehr unbequeme Sitzhaltung sorgte. Ich konnte dann aber endlich ein kleines Experiment veranstalten. Während sich die Deutschen selbst reichlich bedienten, bis die Kanne mit Wasser leer war, schenkte ich unserer ruhigen und stillen Typisch-Japanerin ein. Wie erwartet wurde mir angeboten, mir nachzufüllen. Es geht durchaus, sich an die Kultur anzupassen, ohne seine eigene Identität zu verlieren. Auch das korrekte Ablegen der Essstäbchen wurde von der Japanerin anerkennend zur Kenntnis genommen. Ich war echt happy, dass das ganze Anime gucken nicht völlig umsonst war. Gut, genug selbst beweihräuchert, es sind eben nicht alle auf dem gleichen kulturellen Wissensstand. Das Foto ist… naja ^^“

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Nach der Diskussion hieß es flott duschen, denn um halb acht ging es weiter zum O-Matsuri, dem alle drei Jahre stattfindenden Festival in Tokio. Leider macht es um 10 Uhr bereits zu, so dass wir nur einen Hauch dessen erhaschen konnten, was uns dort erwartet hätte. Es findet zwar am Sonntag noch einmal statt, aber da hat die DJJG schon einen Arbeitstag angesetzt, das heißt Diskussion und anschließende Präsentationsvorbereitung (Nach einem langen und ausflugreichen Tag).

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Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überraschen, aber ich frage mich, ob wenige Stunden interkultureller Austausch und das Anfertigen einer Präsentation am Sonntag Abend durch vom Reisen müde Teilnehmer so innovativ und zukunftsweisend sein können, wie es der Summit gerne wäre oder wie ihn die DJJG gerne hätte.
Und das nächste Mal: Wieviel Bier verträgt ein Japaner?