Pudding in Knien, Ameisen im Hintern

Hallo Japan 2009 Reportage

Während ich bereits dem Aural Vampire Album lausche – schon irgendwie guter, musikähnlicher Krach – flattert die Pressemitteilung der DJJG ins Haus. » Pressemitteilung Youth Summit 2009 [PDF]

Am Dienstag geht’s los, dann werde ich feststellen ob 11 Stunden Flug so schlimm sind wie alle behaupten, ob man in Japan trotz toller Infrastruktur dank der Preise handytechnisch auf dem Trockenen sitzen wird, ob Internet wirklich an jeder Ecke verfügbar ist, ob es im Yoyogi-Park tatsächlich von Cosplayern und japanischen Anhängern der lokalen Popkultur nur so wimmelt. Hoffentlich funktioniert dann auch Twitter wieder, denn schließlich haben wir es nicht nur zum Spaß eingebaut.

Mittlerweile steigt der Neidpegel der Mitmenschen zum Teil in sphärische Höhen, wofür ich mich entschuldigen möchte und was ich gut verstehen kann. Ihr seht, ich werde zunehmend Japanisch. Hoffen wir, dass der Flug trotz zweier Taifune in der Gegend überhaupt stattfinden kann und trotzdem lustig wird… Konbanwa!

Themen des Youth Summit 2009 in Tokyo

Hallo Japan 2009 (Deutsch-Japanische Jugendgesellschaft) Reportage

Die DJJG hat die Themenauswahl der Youth Week veröffentlicht. In den vier Bereichen Bildung, Gesellschaft, Umwelt und Lifestyle werden sich hunderte Teilnehmer aus Japan und Deutschland in mehreren Gruppen austauschen. Der Youth Summit ist Teil der Youth Week.

Zu den Gruppeninhalten zählen aktuelle Themen wie »Elections 2009 in Japan and Germany« ebenso wie spannende und kontroverse Themen wie »Whaling – the background and the controversy«, des Weiteren »Children’s Rights – Child Abuse«, »Pop Culture in Japan – Pilgrimage of Otaku Mecca«, »How we keep and improve our traditional culture?« um nur Einige zu nennen, sowie zwei Sondergruppen, die sich an einem Filmprojekt und der Gesamtausrichtung des Youth Summit und seiner Dokumentation widmen. Die komplette Übersicht mit Statements der Gruppenleiter gibt es auf der Website. Großes hat man sich vorgenommen, denn es ist sicher nicht einfach ein internationales Netzwerk an aufgeschlossenen, vorurteilsfreien Menschen aufzubauen, die offen für fremde Kulturen und Verhaltensweisen sind.

Zur Erarbeitung der Themen soll natürlich der Spaß nicht fehlen, so wird jede Gruppe themenrelevante Einrichtungen und Gegenden besuchen. »Nicht nur das zu behandelnde Thema steht im Mittelpunkt, sondern auch das miteinander reden, diskutieren und planen. Die Teilnehmer können auf diese Weise wertvolle interkulturelle Kompetenzen erwerben und zugleich Freundschaften schließen. Der Summit ist immer in ein Rahmenprogramm – der sogenannten Youth Week – eingebettet, welche den Teilnehmern sowohl die Möglichkeit gibt, Tokyo […] näher kennenzulernen, als auch gemeinsam die Abende zu verbringen.« schreibt Ariane Herold, Studentin im Masterstudiengang Politik Ostasiens an der Ruhr-Universtität Bochum und Gründungsmitglied der DJJG, im Informationsblatt.

Aber es wird wirklich Zeit, dass ich uns endlich ein offizielles Blog einrichte.

Wieso, wie und so – vier Wochen Kostprobe.

Hallo Japan 2009 (Deutsch-Japanische Jugendgesellschaft) Reportage

Dies ist der Auftakt zu einer mehrwöchigen Reportage über den Besuch eines Furtwangener Studenten in Japan im Rahmen des DJJG-Programms »Hallo Japan 2009«, welches in diesem Blog bereits vorgestellt worden ist. Da die Hochschule Furtwangen University im Schwarzwald keinerlei Japankontakte pflegt, musste diese Alternative von mir ergriffen werden. Ich werde mich nach dem einwöchigen Youth-Summit in Tokyo vor allem in Utsunomiya (宇都宮市) 100km nördlich von Tokyo aufhalten. Nicht nur hier, sondern auch im DJJG-Blog wird berichtet werden.

Wie verzerrt das Bild Japans im westlichen Bewusstsein nach wie vor ist, zeigt der Eintrag in diesem Blog.  Gängige Vorurteile wie »Japaner vertragen keine Milch«, »Japaner essen Hunde« oder »Die trinken nur Tee« werden auseinandergenommen – ob zu Recht, wird sich zeigen müssen. Wahr ist, dass sich Japan in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat. Vieles, was vor zwanzig Jahren noch galt, ist heute offenbar nicht mehr. So beschreiben die Autoren Karol Kállay, Otto Mann und Wsjewolod Owtschinnikow in ihrem sehr lesenswerten Fachbuch »Tokyo« noch, wie zukünftige Visionen mit der Überbevölkerung in Tokyo und der vorherrschenden Luftverschmutzung umgehen könnten. Heute sind diese und andere Probleme zum Teil gelöst oder nicht mehr existent.

Obwohl oder gerade weil dieses Buch bereits sehr alt ist, bietet es interessante Einblick eine eine zweifelsohne für westliche Begriffe sehr fremdartige Kultur und ihren Wandel in Zeiten der Globalisierung – denn nicht immer war Japan dem Rest der Welt so offen eingestellt wie es heute mehr und mehr der Fall ist. So werden die Lebensbedingungen eines Durchschnittsjapaners beschrieben und die außergewöhnliche Effektivität und Dynamik der japanischen Wirtschaft zur Zeit der Autoren erklärt. Japanischen Eigenheiten und Verhaltensweisen werden vor dem Hintergrund der Kulturgeschichte interpretiert und die Privatshäre der Japaner, die Ausländern meist verschlossen bleibt, erkundet. Umrahmt werden die Eindrücke von Fotos japanischem Alltags abseits ausgetretener Touristenpfade. Dieses Buch war einer der Auslöser, sich noch intensiver mit dem Land zu beschäftigen.

»Japan? Warum?«

Abseits der Touristen werde ich während des Homestay-Aufenthaltes hoffentlich ebenfalls die andere Seite Japans entdecken. Die Bewerbung und die Motivationsschreiben für das DJJG-Programm waren dabei die erste Hürde, die es zu nehmen galt. Doch was ist nun der Grund für diese grenzenlose Affinität zu einem derart fremden Land? Vielleicht ist es die Tatsache, dass ich durch meine polnisch-deutsche Multikulturalität dem Abendland auf bestimmten Ebenen nichts Neues mehr abgewinnen kann. Vielleicht bewegt sich die westliche Kultur auch in Richtungen, die mir nicht gefallen. Jedenfalls ist mir seit geraumer Zeit die japanische Kultur in verschiedenen Lebensbereichen wiederholt begegnet. Häufig erfuhr ich erst hinterher, dass die Zeichnung, die Lampe, die Farbkombination oder ein anderer Gegenstand des alltäglichen Lebens japanischem Ursprungs war. Ich schließe daraus, dass ich einer bestimmten Ästhetik zugeneigt bin, die den Japanern wohl angeboren sein muss.

Japanische Ästhetik

Da ist zum Beispiel das Schriftzeichen, das oft unzählige Bedeutungen haben kann, basierend auf dem Kontext. Da ist die Kunst des Weglassens, des Minimalistischen. »Japaner sind immer freundlich« lautet ein weiteres Vorurteil, welches wohl keines ist. Nicht zu verwechseln mit »Chinesen schauen immer freundlich«. Die Mentalität ist dem westlichen egozentrischen Selbstbild genau entgegengesetzt. Der Japaner ist ständig auf ein harmonisches Kollektiv bedacht und wird stets zuerst an die Nöte und Sorgen seines Gegenüber denken. Man könnte sagen, die Japaner leben von Natur aus die universellen Werte, die das Christentum oft vergeblich versucht, den Menschen einzuimpfen.

Religion ist übrigens ein weiteres interessantes Thema. Die Art und Weise, wie Japan mit Religion umgeht, ist in meinen Augen bewundernswert. Selbst als Religionsverweigerer kommt man nicht umhin, die japanische Einstellung zu Bewundern. Da existieren mit Shintoismus und Buddhismus  zwei Religionen friedlich nebeneinander, wobei der Shintoismus in seiner Form als animistische Religionsform und die daraus entstehende Toleranz besondere Erwähnung verdient (Ich verlinke Wikipedia hier nicht zum Spaß).

Ausblick

Es lassen sich noch viele weitere Dinge schreiben, aber dies soll nur der Auftakt zur Reportage »Hallo Japan« werden. Bewusst verschwiegen habe ich an dieser Stelle die Anime- und Manga Subkultur. Sie ist für mich ein weiterer Grund, dieses Land zu mögen. Viele der genannten Aspekte japanischer Kultur spiegeln sich in  den Inhalten dieser Subkultur wieder und machen den Einstieg  für Fremde einfacher und attraktiver. Das Anime-Referat in Furtwangen und das »Selbststudium« dieser Kunstform – natürlich in Originalton – erlaubte einen ersten Einstieg in die Sprache. Dieser Bereich wird jedoch an anderer Stelle noch ausführlich breitgetreten.

Ein Japankenner sagte mir, der Film »5 cm per second« (秒速5センチメートル) gebe die Atmosphäre Tokyos sehr authentisch wieder. Dass der Film sowohl authentisch als auch atmosphärisch dicht und beeindruckend ist, von der Zeichentechnik ganz abgesehen, kann ich nur bestätigen. In Deutschland ist er jedoch noch nicht erhältlich. Bis ich jedoch echte Fotos posten kann, werden wir uns mit Fremdmaterial und Gezeichnetem begnügen müssen.

Mit Sicherheit wird dies auch zu einer kleinen Analyse führen, wie weit Anime die japanische Kultur realistisch und unverzerrt wiedergeben kann.

Hallo Japan 2009

djjg

Die Deutsch-Japanische Jugendgesellschaft e.V. (DJJG) veranstaltet dieses Jahr wieder einen Japanaustausch “Hallo Japan 2009” (日独ユース・サミット 2009). Die Anmeldungen sind mittlerweile geschlossen. Das Programm besteht aus Jugendbegegnungswoche, Praktikum, Homestay und Touristikprogramm in diversen Kombinationen. Vom 11. August bis zum 14. September wird es hier – läuft alles nach Plan – Berichte und Fotos direkt aus Nippon zu lesen geben.

Unterstützt wird das Programm, welches ausschließlich ehrenamtlich von jungen Menschen auf die Beine gestellt wurde, durch namhafte Institutionen wie dem DAAD, die Japanisch-Deutsche Gesellschaft in Tokyo, das Goethe-Institut Japan, die deutsche Botschaft in Tokyo und Weitere. Obwohl Bewerbungen für das Programm für ein breites Publikum zulässig waren, sind es doch überwiegend Studenten und einige Schüler geworden.

Bei einem Vorbereitungstreffen im Mai im Japanisch-Deutschem Zentrum Berlin konnte sich die Gruppe aus über 100 jungen Teilnehmern aus ganz Deutschland bereits beschnuppern und erste Kontakte aufbauen, bevor es im August dann losgeht. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Henning Stöcks (DJJG), Gesa Neuert (Verband Deutsch-Japanischer Gesellschaften) und Takashi Hashimoto (Japanisch-Deutsche Gesellschaft Tochigi). Ebenfalls kamen Grußworte von Seiten des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin sowie der Japanischen Botschaft in Berlin vertreten durch Frau Gesandte Dr. Miyoshi.

jdzb

Japantag in Düsseldorf

Japanfest Düsseldorf

Dreissig Minuten lang glühte der Himmel auf dem Düsseldorfer Japantag, während die 850.000 Besucher an der Rheinpromenade dicht gedrängt schon Stunden zuvor ihren besten Platz gefunden hatten. Doch das war nur die Krönung eines sehr ungewöhnlichen Begegnungsfestes.

Japantag Düsseldorf

Schon am frühen Mittag waren die Stände am Rheinufer gut besucht. Das Japanfest lockte mit zahlreichen Attraktionen, insbesondere auch authentischer japanischer Gastronomie. Da diese nicht jedermanns Sache ist, hatten sich dazwischen auch einige Bratwurst- und Reibekuchenstände versteckt. Mit Origami, Kalligraphie und Ikebana wurden einige klassische Kulturgüter zum Ausprobieren angeboten. Auf der Wiese hinter dem Burgplatz wurden japanische Sportarten demonstriert. Auf der Bühne präsentierten sich die Düsseldorfer Symphoniker, die Trommler der japanischen Musikgruppe Leonard Eto – Blendrums und die J-Pop-Gruppe Jelly Beans.

Dabei stand die Veranstaltung zunächst unter keinem guten Stern, denn eine Absage aufgrund der drohenden Schweinegrippe-Pandemie war nicht unwahrscheinlich. So sah man auch nicht wenige Menschen mit Mundschutz – ob dies zum Schutz der Mitbesucher diente oder dem Selbstschutz, ist mir nicht bekannt.

_MG_0488

Größter Blickfang auf dem Japantag waren zweifelsohne die überwiegend jungen Cosplayer (von engl. “costume play”). Gekleidet in Kostüme bekannter Manga- und Animehelden machten sie ein gefühltes Drittel aller Besucher aus. Da die Verkleidungen oft mit kurzen Röcken einhergehen oder sich an der japanischen Mode orientieren, verwundert es auch nicht, dass das zweite Drittel aus äußerst engagierten Fotografen bestand.

Sehen und gesehen werden war das Motto, umso erstaunter mag man darüber sein, wie verstohlen manch Kompaktknippser an seiner Ehefrau vorbei fotografiert hat. Den älteren Herrschaften dagegen stand oft eine jugendliche Neugierde und Offenheit ins Gesicht geschrieben, wie man sie sonst eigentlich von der heutigen Generation erwarten sollte. Dass die japanische Kultur natürlich nicht nur aus Cosplay besteht konnte man angesichts der starken Präsenz der bunten Kostüme leicht vergessen.

Wer also die meisten Fotografen anlockt, hat somit auch ein gewisses Ansehen sicher. Dabei gehört es zum guten Ton, um ein Bild zu bitten, anstelle mit dem Teleobjektiv aus dem Hinterhalt aufzulauern. Denn oft werden die dargstellten Charactere inklusive authentischer Pose und Verhaltensweisen imitiert, und das will natürlich vorbereitet sein.

Japantag Düsseldorf

Glücklich konnte sich schätzen, wer bei fünfunddreissig Grad im Schatten einen Sonnenschirm zur Hand hatte. Es folgt ein kleines Video für einen Eindruck des bunten Treibens. Leider ist das verwackelungsfreie Filmen mit der 500D selbst mit Bildstabilisator alles andere als einfach. Man mag ja dieser Subkultur stirnrunzelnd gegenüberstehen, und gar zu leicht entstehen Vorurteile jedweder Art –  aber für mich gab genau dieses Unwissen den Ausschlag, zwei Wochen vorher die Dokomi in Düsseldorf zu besuchen und mir ein eigenes Bild zu machen.

[flv width=”640″ height=”382″]/wp-content/uploads/video/MVI_0424.mp4[/flv]

Japantag Düsseldorf

Japantag Düsseldorf

Japantag Düsseldorf

Die Masse der Cosplayer, die »Die Melancholie der Suzumiya Haruhi« (涼宮ハルヒの憂鬱)  darstellten, war enorm. Verwunderlich ist es nicht, ist es doch eine der erfolgreichsten und meistgehypten Anime-Serien der letzten Jahre. Falls man es nicht erkennt: Es handelt sich um einen Science Fiction.

Japantag Düsseldorf

Zu den verbreitetsten Accessoires gehörten Nekomimi (Katzenohren) und die Farbe Rosa.

Japantag Düsseldorf

Japantag Düsseldorf

Japantag Düsseldorf

Japantag Düsseldorf

Japanisches Feuerwerk zeichnet sich dadurch aus, dass jeder Rakete die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie verdient. Daher konnte man dreissig Minuten lang in aller Ruhe die extravaganten Formen und Farben bewundern, die japanische Pyrotechniker in der Lage sind an den Himmel zu malen. Ganz nach japanischer Tradition war das Feuerwerk eine große Metapher, kann man im offiziellen Flyer nachlesen.

Düsseldorf, wir sehen uns in einem Jahr wieder.